|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Was bisher geschah

Notwendiger Neuer
Untergrund - Die Chronologie
Zur Chronologie 2003 bis 2011
Die Künstlergruppierung des NNU
arbeitet unter der Leitung von Uwe Schmieder seit dem Jahre 2003
kontinuierlich mit den selben Künstlern und Freunden
unterschiedlichster Sparten zusammen. Seit der Gründung fanden
mehrere Arbeitsbegegnungen statt, die vor einer interessierten
Öffentlichkeit gezeigt wurden.
Theateraufführungen, Performances,
politische Revuen, gespielten Lesungen, Punkkonzerte, Kunstpartys
u.a. Veranstaltungen zählen zum Spielplan. Das Erfinden von
surrealen Spiel und Lebenssituationen interessanter Menschen, das
Suchen nach spannenden Geschichten und Ereignissen in unserem Umfeld,
das Neuempfinden des Spielspasses auf der gemeinsamen manchmal
öffentlichen Probe, bestimmen den Arbeitsprozess und später
auch das Zeigen des gemeinsamen Gefundenen. Das Ziel unseres
Miteinanders ist ein modernes Theater und Spielen zu entwickeln in dem
die Langeweile keinen Platz hat. Altbewährte theatralische
Mittel, wie chorisches Sprechen, oder gemeinsames Singen von Liedgut
wird wieder neu entdeckt und verwendet. Es wird „vertanztes
Körpertheater“ eingearbeitet, live eingespielte
Musikelemente verarbeitet, oder auch statisches „modernes“
Sprechtheater verwendet - mit dem Ziel, ein notwendiges, neues und ganz
und gar untergründiges Theater für unsere Zuschauer und
unser Künstler/Leben entstehen zu lassen.
Das SCHWIERIGE an unserem LEBEN
und im
THEATER, ist das AUSHALTEN von gestellten FRAGEN, das NICHTSTTUN im
Tun und die Angst vor der LANGEWEILE im zuschauenden RAUM. Wenn
Leben/Theater aufgeführt wird, kommen MENSCHEN und haben zu
Recht hohe ERWARTUNGEN auf das Dargestellte und die ANTWORTEN auf
ihre Fragen, wollen dann auch bewältigt sein. Was wird HEUTE
gespielt, WARUM wird es gespielt, soll uns DAS GEZEIGTE etwa
gefallen, und was soll uns das HIER und JETZT erzählen? NIEMAND
erträgt mehr, eine schwierige und unbewältigte Situation
auszuhalten, den eigenen Stillstand wahrzunehmen. Denn GRUNDSÄTZLICH
ist es immer erst mal leichter, sich gemeinsam Fragen zu stellen und
sofort einfache LÖSUNGEN anzubieten, als gemeinsam
darüber zu SCHWEIGEN und die Fragen unbeantwortet auszuhalten.
Das SCHWEIGEN, die STILLE, das AUSHALTEN von Krisen, sind aber
wichtige Ausgangspunkte für unser Leben/Theater und NIEMAND muss
auf die gestellten Fragen immer gleich die lösenden
Antworten parat haben. Das wäre langweilig, zu einfach und gar
nicht mehr AUFREGEND.
Das gesellschaftliche/ theatralische
Problem ist doch: Wenn im Leben /Theater keine plausiblen Lösungen
der Probleme geliefert werden, entsteht HILFLOSICHKEIT und
DESINTERESSE bei dem einen und ANGST und STRESS bei dem anderen.
Somit ist aber, bei dem Menschen/Zuschauer und bei UNS den Künstlern,
kein wirkliches und wertfreies DENKEN mehr möglich. Aber gerade
in diesen gemeinsamen und seltenen Momenten des Denkens im aushalten
von Nichts, der eigenen HILFLOSIKEIT, werden die bleibendsten
ERFAHRUNGEN und ERKENNTNISSE gemacht. Das erfordert natürlich
MUT von allen. Aber erst durch diesen UNTERGRÜNDIGEN Mut, kann
einen THEATER, ein THEMA, ein STÜCK Leben wieder völlig NEU
definiert werden. Sicher ist das schwer zu zulassen, aber es ist
NOTWENDIG. Denn erst wenn wir das NICHTS zulassen, passiert ungeheuer
VIEL Neues.
Wie definieren WIR den
UNTERGRUND
Zuerst überzeuge man sich von der
notwendigen Beschaffenheit des Stoffes: Alles, was lose ist oder
herumhängt, stellt eine Gefahr dar, gehört einer
verkommenen Zeit an, ist instabil und deshalb gründlich zu
entfernen. Der Untergrund ist immer entscheidend für das
Gelingen eines Vorhabens. Er liegt tief, ganz unten. Auf ihm baut
alles auf, jede Schicht, ja der gesamte Überbau. Er steht ganz
am Anfang, denn nichts geht ohne ihn. Der Untergrund ist wichtig und
der Umgang mit ihm sorgfältig zu handhaben. Denn je mehr ein
Untergrund Festigkeit gewinnt, desto mehr kann man ihn ausbauen.
Alles weitere, selbst die kühnsten Vorstellungen und Taten
gründen auf ihm. Er funktioniert wie ein Fundament. Zuerst muss
alles vorherige gründlich überarbeitet und wenn notwendig,
beseitigt werden. Dabei sollte man sehr radikal sein und man sollte
sich um früheres nur insoweit kümmern, als dass man es
entweder benutzt, oder gar ganz überwindet. Denn es soll ja
Neues, Notwendiges entstehen und etwas spannendes „Schönes“
geschaffen werden.
Bis Ende der 80er Jahre konnte sich der
„Untergrund“ (oder „Underground“) bzw. eine
Ästhetik des Untergrunds vor allem politisch-ideologisch
zeigen. Er war Bestandteil der Gesellschaft in einer konträren
bzw. alternativen Lebensform. Heute ist diese Lebens und
Arbeitskultur ganz allmählich verschwunden, da selbst der
Untergrund seine eigene Armut nicht mehr stand- und aushält. Nur
durch äußerste Anstrengungen und einem nie da gewesenen
Idealismus kann das Sterben der Untergrundkultur verhindert werden.
Vieles, was davon noch überlebt hat, ist längst in
einen etablierten Rahmen integriert worden.
Das Programm des NNU liegt im „Risiko
des Authentischen”, das was gesagt werden soll, darf sich
keinem ästhetischen Kompromiss unterwerfen, keinerlei
“Geschmacksniveau” unterliegen und keinerlei Erwartungen
erfüllen. In dem Moment, wo das Theater Erwartungen erfüllt,
ästhetische oder inhaltliche Standards bedient, hat es verloren.
Unsere Definition der Authentizität
ist nicht neu, aber gerade jetzt notwendig, wenn unsere Theateridee
nicht sterben soll. Unser Begriff des Untergrunds hat nichts zu tun
mit Bohème-Romantik oder Outlaw-Posen des 19. Jahrhunderts. Er
meint performativen Rohstoff, mit allen Ecken und Kanten. Er
bezeichnet ein Gebiet, wo „Professionalität“
vorhanden ist, aber nicht als Zensurwort missbraucht wird.
Zur Chronologie 2003 bis 2011
eins zurück
„Hamlet:Maschine Ophelia” nach Heiner Müller
Umsiedeln: eine Idee

NNU Startseite